Empathie lernen

Es ist umstritten, ob man Empathie lernen kann! Manche sind der Ansicht, dass es sich hierbei um eine Eigenschaft der Person handele, die quasi in die Wiege gelegt sei und nicht trainiert werden könne. Wenig strittig dürfte es dagegen sein, dass es verschiedene Veranlagungen bei Menschen gibt. Den einen erschließt sich das Thema Empathie leichter als anderen. Auch unter ungünstigeren Startbedingungen kann man etwas für seine empathischen Fähigkeiten tun. Es gibt Techniken, die den Boden für das Hineinfühlen in andere bereiten. Darum soll es auf dieser Seite gehen. Wenn du zunächst deine eigene Empathie besser einschätzen willst, wirf einen Blick auf den Empathie Test.

Empathie lernen

Es gibt Wege, die eigene Empathie zu stärken. Vor dem Einsatz von Techniken und Handwerkszeug, solltest du zunächst einmal deine Offenheit hierzu prüfen. Bist du bereit dafür, dich selbst zurück zu nehmen und auf dein Gegenüber einzulassen? Deinen Willen braucht es auch für die übenden, sich wiederholenden Aspekte. Hier ist Durchhaltevermögen gefragt. Und schließlich braucht es die Bereitschaft, wenn es darum geht, sich selbst anderen zu öffnen und die eigenen Wahrnehmungen mit den Empfindungen des Gegenübers abzugleichen. Bei alledem wird es hilfreich sein, wenn du dich auch mit deinen eigenen Empfindungen beschäftigst. Reflektiere dich in verschiedenen Situationen. Versuche zu ergründen, wie du reagierst, welche Werte dir wichtig sind, was dich aus der Ruhe bringt und welche persönlichen Eigenschaften du dir selbst zuschreiben würdest.

Wenn du dir über deine Bereitschaft und den ernsthaften Willen zum Lernen im klaren bist, ist es an der Zeit, sich den Werkzeugen zuzuwenden. Mit den drei folgenden Bausteinen, kannst du mehr Empathie lernen.

1. Aktiv zuhören

Eine der Grundlagen beim „Empathie lernen“ liegt im Zuhören. Es gibt Menschen, denen es kaum gelingt, ihrem Gesprächspartner aufmerksam zuzuhören. Die Hinderungsgründe können vielfältig sein. Das verständige Zuhören kann schon daran scheitern, dass den verfügbaren Ablenkungen gefolgt wird. In der heutigen Welt blicken manche Menschen im Minutentakt auf ihr Smartphone, um parallel Facebook, Whatsapp, Twitter und sonstige Programme zu bedienen. Die immer größere Menge an Informationen die täglich auf uns einströmt, führt bei manchen Menschen zu einer mitwachsenden Ungeduld. Diesen fällt es zunehmend schwer, sich über einen längeren Zeitraum auf eine Sache zu konzentrieren. Genau darum geht es jedoch bei einem Gespräch, welches mit dem ernsthaften Willen echter Anteilnahme geführt wird.

Wenn du zuhörst, hörst du zu!

Einer der wichtigsten Aspekte überhaupt. Das Zuhören. Es gibt Menschen, denen es kaum gelingt, ihrem Gesprächspartner aufmerksam zuzuhören. Sie haben stets schon den eigenen nächsten Argumentationspunkt vor Augen, den sie gleich einwerfen wollen, feilen an der Rechtfertigung, wenn sie glauben, einen ungerechtfertigten Vorwurf herausgehört zu haben oder sie wollen gar nicht mehr zuhören, weil sie glauben, ohnehin schon zu wissen, was der andere sagen wird. Andere folgen allen verfügbaren äußeren Ablenkungen. Sie blicken im Minutentakt auf ihr Smartphone, um parallel Facebook, Whatsapp, Twitter oder kleine Mini-Spiele zu bedienen. Manche treibt eine immer größer werdende Ungeduld um. Vielleicht auch, weil sich unsere Welt scheinbar immer schneller dreht. Es fällt manchen Menschen zunehmend schwer, sich über einen längeren Zeitraum auf eine Sache zu konzentrieren. Genau darum geht es jedoch bei einem Gespräch. Jedenfalls dann, wenn du es mit echter Anteilnahme führen möchtest.

Mache nebenbei nichts anderes. Es ist für deinen Gesprächspartner und für dich selbst gleichermaßen wichtig, dass du dich mit Ruhe und Geduld auf das Gespräch einlässt. Dein Gegenüber wird merken, wenn du gedanklich bereits beim nächsten Termin bist, gerne die blinkende Facebook-Nachricht anschauen würdest oder nebenbei schon einmal deine Pläne für das Wochenende durchgehst. Du wirst damit deinem Gesprächspartner nicht gerecht. Er wird merken, dass er nicht deine volle Aufmerksamkeit genießt. In aller Regel wird er sich dir dann nicht vertrauensvoll öffnen, sondern an der Oberfläche des Themas bleiben. Du selbst siehst möglicherweise deinen Drang nach Ablenkung bestätigt, da du überwiegend Belanglosigkeiten aufnimmst, die du entweder schon wusstest oder die dich nicht sonderlich begeistern. Im Ergebnis betreibst du Smalltalk, bei dem sich weder dein Gegenüber noch du wohl fühlen. Dein Gesprächspartner wird mit dem schlechten Gefühl aus dem Gespräch gehen, dass du ihn nicht ernst nimmst und eigentlich gar nicht an ihm interessiert bist. Du selbst läufst Gefahr, dass du Gespräche führst, die aus deiner Sicht nur Zeit kosten und dir nichts „bringen“.

Wenn es dir gelingt, dich mit voller Aufmerksamkeit und exklusiver Zeit auf ein Gespräch einzulassen, hast du einen wesentlichen Punkt bereits geschafft.

Gewonnen in Raum und Zeit

Manchen Menschen gelingt es nicht, die eigene Person zurückzunehmen und dem Gegenüber Raum zur Entfaltung zu geben. Ungeduldige und „einnehmende“ Menschen neigen dazu, anderen ins Wort zu fallen. Gründe dafür kann es viele geben. Manche möchten dem anderen gar nicht wirklich zuhören, sondern nur nach Gesprächsankern suchen, an die sie ihre eigenen Weisheiten anknüpfen können. Es mag sein, dass sie keine andere Meinung als die eigene zulassen können. Es mag auch sein, dass diese Menschen am Gegenüber schlicht nicht interessiert sind. Dabei würden sie überrascht sein, wie tiefschichtig und spannend manche Menschen aus Ihrem Umfeld sind.

Wenn du dich aus echtem Interesse zuwendest, hast du gute Chancen die Menschen aus deinem Umfeld in einigen Facetten neu kennenzulernen. Nimm dazu deine eigene Person etwas zurück und lasse dich auf die Sichtweise deines Gegenübers ein. Versuche dich in Gesprächen einmal in die Welt des anderen hineinzufühlen und nimm seinen Platz ein. Eine simple Regel hierzu: Lasse deinen Gesprächspartner ausreden.

Du schenkst deinem Gesprächspartner nun die ungeteilte Aufmerksamkeit und lässt ihn ausreden. Du kannst jedoch noch mehr tun. Wirklich aktives Zuhören erschöpft sich nicht darin, einfach still dazusitzen:

Sei wach und interessiert

Es kommt auch darauf an, welche Signale du selbst aussendest. Du vermittelst deinem Gegenüber das Gefühl der Anteilnahme, wenn du ihm mit zugewandter und offener Körperhaltung begegnest. Versuche, dich nicht halb liegend oder schräg sitzend „wegzulümmeln“. Verschränke nicht die Arme und senden keine sonstige Signale der Ablehnung, Geringschätzung oder des Desinteresses. Übe dich darin, deinem Gesprächspartner das Gefühl zu vermitteln, willkommen zu sein.  Es hilft, wenn du dich mit deiner Körperhaltung und deinen Gesten entsprechend verhältst. Blicke ihm in die Augen. Wach, interessiert und mit der nötigen Körperspannung.

Eine Technik des aktiven Zuhörens liegt in der gesprächsunterstützenden Ermutigung zum Weiterreden. Du kannst deinem Gesprächspartner durch interessierte, bestätigende oder fragende Laute wie „mmh“, „aaah“, „ja“ oder „echt?“ zeigen, dass du ihm zuhörst und seine Inhalte die erwünschte Wirkung entfalten.

Fasse dann die wesentlichen Aussagen deines Gesprächspartners zusammen. Mache ihm deutlich, dass du nicht nur bis zum Ende zugehört hast, sondern dass du sein Anliegen auch aufgenommen hast. Dabei geht es keinesfalls darum, dem Anderen gegen die eigenen Überzeugungen Recht zu geben. Die Zusammenfassung kann und soll eher neutraler Art sein und sich bis hierhin noch einer Bewertung entziehen. Wenn dein Gesprächspartner mit einem Punkt geschlossen hat, greife seine Sätze auf: „Du sagst also, dass…“. Je sicherer du mit dieser Methode wirst, umso mehr kannst du dazu übergehen, nicht nur einzelne Sätze zu wiederholen, sondern dahinterstehende Aussagen zusammenzufassen: „Wenn ich dich richtig verstanden habe, ist dir wichtig, dass…“. Solche Zusammenfassungen haben mehrere Vorteile. Zum einen vermittelst du damit das Gefühl, dass du interessiert und aufmerksam zuhörst. Dies fördert bei deinem Gesprächspartner die Bereitschaft, vertrauensvollere Inhalte mit dir zu besprechen. Zum anderen überprüfst du selbst damit, ob das von deinem Gesprächspartner Gesagte mit dem bei dir Angekommenen übereinstimmt. So vermeidest du von vornherein Missverständnisse. Und du selbst hast die Chance, dass die Gesprächsinhalte nachhaltiger und einprägsamer bei dir ankommen, da du dich zwingst, sie noch einmal zu reflektieren.

Auf den Punkt gebracht:

Mit den folgenden Tipps wirst du ein besserer Zuhörer:

  • Nimm dir Zeit
  • Mache nichts nebenbei, schenke Aufmerksamkeit
  • Lasse deinen Gesprächspartner ausreden
  • Achte auf eine zugewandte offene Körperhaltung
  • Unterstütze dein Gegenüber mit Lauten wie „aah“, „mh“, „ja“, pp.
  • Fasse die Gesprächsinhalte deines Gesprächspartners noch einmal zusammen.

Ein Video zu den 4 Seiten einer Nachricht:

Friedemann Schulz von Thun hat ein 4-Ohren-Modell entwickelt, welches im Zusammenhang mit dem aktiven Zuhören interessant ist und beim Empathie lernen helfen kann:

 

Neben dem aktiven Zuhören, kommen noch zwei weitere Bereiche hinzu, die dir auf dem Weg zu mehr Empathie Unterstützung bieten:

2. Beobachten

Mit den oben aufgeführten Tipps für ein aufmerksameres Zuhören hast du schon sehr viel gewonnen, auf dem Weg zu einem achtsamen Miteinander. Nun geht es ans Beobachten. Versuche, deine Wahrnehmung zu schärfen.

Schaue dir deinen Gesprächspartner an. Wie alt ist er? Hat dein Gesprächspartner Falten, Narben oder andere Auffälligkeiten? Welche Sprache spricht das Gesicht? Erkennst du einen Leidensweg in den Gesichtszügen, lachen dir wache Augen entgegen? Gibt es einzigartige Merkmale, eine besondere Nase oder ein Muttermal? Betrachte die Kleidung deines Gegenübers. Wählt dein Gesprächspartner gedeckte, dezente Farben oder neigt er zu extrovertierter Kleidung. Welchen Eindruck hast du, passen Typ und Kleidung zusammen? Schaue, ob dein Gegenüber eine Körperspannung aufweist. Sitzt oder steht er gerade, ist er fahrig und unruhig, scheint er entspannt und in seinem Wohlfühlbereich zu sein? Wie wirken die Gesichtszüge? Setzt dein Gesprächspartner beim Sprechen mehr oder weniger Muskeln ein, wirkt er lebhaft oder erschöpft, schaut er dir in die Augen oder weicht er dir mit den Blicken aus. Wie spricht dein Gegenüber? Unsicher und leise oder polternd und überhastet?

 

Lernen von Empathie

Es gibt sehr viel zu beobachten bei deinem Gegenüber. Nimm dir dafür die Zeit. Schaue hin, interessiere dich für deinen Gesprächspartner. In der Gesamtschau lässt sich oft sehr viel zusammentragen, aus dem du auf die aktuelle Verfassung deines Gegenübers schließen kannst. Und du kannst abgleichen, ob die verbalisierten Inhalte des Gesprächs mit den nonverbalen Signalen übereinstimmen. Hast du einen jungen Gesprächspartner, der jedoch redet, als hätte er vom Leben nicht mehr viel zu erwarten und als verwalte er es lediglich? Ist er alt an Lebensjahren, begeistert jedoch mit einer (allzu?) unbeschwerten, jugendlichen Sicht auf die Dinge? Berichtet dir dein Gegenüber davon, wie gut es ihm geht, obgleich die Kleidung, Körperhaltung und die Gesichtszüge das Gegenteil verkünden? Vielleicht trägt dein Gesprächspartner ja einen Konflikt oder ein Leid mit sich. Wenn du aufmerksam bist und dies aufgrund deiner Beobachtung erkennst, kannst du die eigenen Erwartungen hinterfragen oder ein Hilfsangebot machen. Viele Hochsensible Menschen sind äußerst gut darin, zu beobachten!

Beachte bei den Hilfsangeboten die du gerne machen würdest jedoch, dass du die Grenzen deines Gesprächspartners nicht übertrittst. Taste dich stets vorsichtig vor, ob er überhaupt bereit ist und Tipps oder Hilfen von dir möchte. Auch RatSCHLÄGE können SCHLÄGE sein. Manchmal kann es schon reichen, ein zwei zieführende Fragen zu stellen. Und dein Gegenüber kann sich seine Lösung daraus selbst erarbeiten…

3. Emotionale Wahrnehmung ansprechen

Hinter gesprochenen Sätzen stehen oft auch Emotionen. Manchmal herrscht bei deinem Gesprächspartner im Inneren eine andere Gefühlslage vor, als die in Worte gekleidete. Es könnte sein, dass sich hinter den Sachinformationen deines Gegenübers Wut, Ängste, Enttäuschung, Trauer, Stolz oder Freude verbergen. Möchtest du verständigere Gespräche führen, solltest du dies beachten. Wie jedoch damit umgehen?

Aus dem Häuschen trauen

Das aktive Zuhören ist eine Technik, die bei deinem Gegenüber meist keine Hemmnisse auslösen wird. Im Gegenteil, dein Gesprächspartner wird sich eher über diese besondere Form der Aufmerksamkeit freuen. Auch das Beobachten deines Gegenübers wird unaufgeregt bleiben, jedenfalls solange du deinen Gesprächspartner nicht allzu intensiv anstarrst. Etwas sensibel ist der nun zu betrachtende Bereich. Hier geht es darum, dass du deinen Gesprächspartner auf deine Wahrnehmung hin ansprichst. Wenn du diese Emotionen ins Gespräch bringst, könnte sich dein Gegenüber damit unwohl fühlen. Nicht jeder spricht gleichermaßen gerne über seine Motive und Gefühle. Nicht immer passt es auch in die Situation.

Empathie Test Lernen

Dennoch, wenn du längerfristig Missverständnisse vermeiden möchtest, wirst du dich diesem Feld zuwenden müssen. Du könntest dich behutsam darin üben, zu spiegeln.

Fange mit deinem Lebenspartner an, mit guten Freunden oder vertrauten Kollegen. Traue dich aus deinem Häuschen und sprich deine Wahrnehmungen an. Du könntest dein Gegenüber an geeigneter Stelle über dein Vorhaben einweihen und eine Vereinbarung treffen. So ist gewährleistet, dass du keine Grenzen übertrittst. Übe dich nun darin, dass du deine Wahrnehmungen ansprichst und sie spiegelst: „Du, bei mir kommt jetzt gerade dies und das an, stimmt das? Oder wie ist es gerade für dich?“, “Wenn ich mir das vorstelle, was du da so erzählst, fühle ich mich so und so. Wie ging es dir denn damit?”. Achte dabei darauf, dass du deiner Wahrnehmung keinen Appell oder gar Vorwurf mitgibst. Versuche deine Wahrnehmungen möglichst neutral und ohne Angriff zu formulieren. Und gib deinem Gesprächspartner ausreichend Raum und Zeit, für seine Ausführungen. Wenn du auch bei der Bestätigung oder Korrektur aufmerksam zuhörst, wirst du mit der Zeit immer besser darin werden, deinen eigenen Wahrnehmungen zu trauen.

Empathie lernen – nicht überstrapazieren

Kann man nun Empathie lernen? Mit den oben aufgeführten Techniken hast du einen gut geeigneten Weg dorthin vor dir.

Beachte bei alledem bitte, dass du weder dich noch deinen Gesprächspartner überstrapazierst. Taste dich mit Augenmaß heran. Ansonsten läufst du Gefahr, dass du die Geduld deiner Gesprächspartner überdehnst. Dein Anliegen würde ins Gegenteil verkehrt. Man würde dich dann vermutlich eher als penetrant, forsch und grenzenlos wahrnehmen.

Welche Erfahrungen hast du selbst gemacht? Hattest du auch schon einmal ein solches Missverständnis mit einem Freund oder einer Freundin? Und was hättest du anders machen können?

Die oben genannten Methoden eignen sich zum Empathie lernen. Wie für viele andere Dinge gilt für sie jedoch gleichermaßen: alles in Maßen!